Robert Enke – Ein medialer Abschied
Nov/092

Millionen werden heute morgen die Trauerfeier für Robert Enke verfolgt haben. Auch ich habe mich vor den Fernseher gesetzt und mir den medialen Abschied von Enke angeschaut. Natürlich war auch ich sehr bewegt und habe eine Träne verdrückt. Die Trauerreden von DFB-Präsident Theo Zwanziger, 96-Präsident Martin Kind, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und Hannovers Oberbürgermeister haben tiefes Bedauern und Zuneigung gegenüber Robert Enke und seiner Familie ausgedrückt.
Doch auch wenn Theo Zwanziger eindrücklich und mehrfach betont hat, dass Fußball nicht alles ist. Habe ich mich gefragt, ob dies auch noch in mehreren Monaten, nachdem die Trauer etwas abgeflacht sein wird, auch noch Bestand haben wird. Oder wird es nicht dann wieder um den Ruhm und den Sturm an die Tabellenspitze gehen? Das Geschäft mit dem Sport ist hart und manch einer ist auch schon vor Robert Enke an diesem Leben fast gescheitert. Das Enke seinem nun depressionsbedingt ein Ende gesetzt hat, wird das Geschäft nicht ändern. Und so wie es scheint, war nicht der Sport schuld, sondern eine gebrochenes Herz geprägt durch den schmerzlichen Verlust seiner Tochter Lara und der Angst vor dem Leben selbst. Das kann niemand wegwischen und auch, dass es sich hier um einen Selbstmord handelt, der die Hinterbliebenen mit offenen Fragen zurücklässt und auch mit dem Gedanken, ob dies wirklich der letzte Ausweg war?
Ich glaube niemand, der mit sich und seinem Leben im Reinen ist, kann nachvollziehen, warum ein anderer sein eigenes beendet. Robert Enkes Tod hat in der letzten Woche die Medien beherrscht. Auf twitter haben viele ihre Trauer kundgetan. Aber es wurden auch viele kritische Stimmen laut. Denn auch wenn Enkes Tod tragisch und unfassbar ist, steht auch hier jemand auf der anderen Seite der sich nun für immer mit dem Gedanken tragen muss, dass er den Zug gefahren hat, den Robert als letzten Ausweg aus dem Leben genommen hat.
Enke hinterlässt viele Menschen, mit vielen Fragen. Genauso wie jeder andere Mensch, der seinem Leben aus eigenem Willen ein Ende setzt.
Deshalb war die Trauerfeier, mit Enkes Sarg aufgebahrt im Mittelkreis von Hannovers AWD-Arena und Heimspiel-Stätte von Enke, für mich mit gemischten Gefühlen verbunden. Die Frage für mich war, wenn jemand vor seinem Leben so große Angst hatte und nur der engste Familienkreis von Depressionen wusste, hätte so jemand wie Enke, dann diesen medialen Abschied gewollt? Aber vielleicht ist es auch einfach so, dass Enke trotz allem ein Mensch und ein scheinbar guter und sehr beliebter Charakter war. Vielleicht war es deshalb einfach nur die logische Konsequenz so einen Rahmen zu wählen und zehntausenden Enke-Anhängern so den Abschied zu ermöglichen.
Am Ende ist es, wie es ist: Traurig!












