Robert Enke – Ein medialer Abschied

15
Nov/09
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Robert Enke

Millionen werden heute morgen die Trauerfeier für Robert Enke verfolgt haben. Auch ich habe mich vor den Fernseher gesetzt und mir den medialen Abschied von Enke angeschaut. Natürlich war auch ich sehr bewegt und habe eine Träne verdrückt. Die Trauerreden von DFB-Präsident Theo Zwanziger, 96-Präsident Martin Kind, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und Hannovers Oberbürgermeister haben tiefes Bedauern und Zuneigung gegenüber Robert Enke und seiner Familie ausgedrückt.

Doch auch wenn Theo Zwanziger eindrücklich und mehrfach betont hat, dass Fußball nicht alles ist. Habe ich mich gefragt, ob dies auch noch in mehreren Monaten, nachdem die Trauer etwas abgeflacht sein wird, auch noch Bestand haben wird. Oder wird es nicht dann wieder um den Ruhm und den Sturm an die Tabellenspitze gehen? Das Geschäft mit dem Sport ist hart und manch einer ist auch schon vor Robert Enke an diesem Leben fast gescheitert. Das Enke seinem nun depressionsbedingt ein Ende gesetzt hat, wird das Geschäft nicht ändern. Und so wie es scheint, war nicht der Sport schuld, sondern eine gebrochenes Herz geprägt durch den schmerzlichen Verlust seiner Tochter Lara und der Angst vor dem Leben selbst. Das kann niemand wegwischen und auch, dass es sich hier um einen Selbstmord handelt, der die Hinterbliebenen mit offenen Fragen zurücklässt und auch mit dem Gedanken, ob dies wirklich der letzte Ausweg war?

Ich glaube niemand, der mit sich und seinem Leben im Reinen ist, kann nachvollziehen, warum ein anderer sein eigenes beendet. Robert Enkes Tod hat in der letzten Woche die Medien beherrscht. Auf twitter haben viele ihre Trauer kundgetan. Aber es wurden auch viele kritische Stimmen laut. Denn auch wenn Enkes Tod tragisch und unfassbar ist, steht auch hier jemand auf der anderen Seite der sich nun für immer mit dem Gedanken tragen muss, dass er den Zug gefahren hat, den Robert als letzten Ausweg aus dem Leben genommen hat.

Enke hinterlässt viele Menschen, mit vielen Fragen. Genauso wie jeder andere Mensch, der seinem Leben aus eigenem Willen ein Ende setzt.

Deshalb war die Trauerfeier, mit Enkes Sarg aufgebahrt im Mittelkreis von Hannovers AWD-Arena und Heimspiel-Stätte von Enke, für mich mit gemischten Gefühlen verbunden. Die Frage für mich war, wenn jemand vor seinem Leben so große Angst hatte und nur der engste Familienkreis von Depressionen wusste, hätte so jemand wie Enke, dann diesen medialen Abschied gewollt? Aber vielleicht ist es auch einfach so, dass Enke trotz allem ein Mensch und ein scheinbar guter und sehr beliebter Charakter war. Vielleicht war es deshalb einfach nur die logische Konsequenz so einen Rahmen zu wählen und zehntausenden Enke-Anhängern so den Abschied zu ermöglichen.

Am Ende ist es, wie es ist: Traurig!

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Comments (1) Trackbacks (1)
  1. Matthias (Budde)
    8:03 pm on November 15th, 2009

    Der Tod von Robert Enke hat ganz Deutschland bewegt und hart getroffen!
    Ein ruhiger und fairer Sportsmann, mit großem Charakter und einem grossen Beliebtheitsstatus in der Fußballwelt und seinen Fans, ist aus eigenem Willen von uns gegangen und hat eine sehr traurige Frau und eine 8 Monate alte Adoptivtochter hinterlassen. Zudem viele Menschen, die diese ernstzunehmende und hinterhältige Krankheit nicht verstehen.

    Es wurde in letzter Zeit viel an dem Torhüter Robert Enke rumkritisiert, der noch nicht seine 100% Leistung abrufen konnte, nach mehrwöchiger Krankheitspause. Von den eigenen Fans bei Hannover96, in den Foren, wo einige schriftlich ihren Unmut kund getan haben. (Auch dort konnte ein Robert Enke über seine Leistung nachlesen!) Meiner Meinung nach schwachsinnig, da Robert Enke in den zwei Spielen, die er noch gespielt hat gegen Köln und Hamburg, eine tadellose Leistung gebracht hat! Es ist immer einfach als Fan, oder Aussenstehender zu urteilen, wo man stehen muss im Strafraum, auf der Torlinie, wie energisch man wann rauszulaufen hat und wie, bzw. wo man den Ball besser hätte hin abwehren können! Man sitzt in bester Bildqualität vor dem Fernseher, oder auf der Tribüne und hat wirklich alles gebündelt auf einen Blick vor sich. Man sieht alles und jeden Spieler, wie weit sie voneinander weg stehen, wie schnell sich wer wohin bewegt, all dies sieht ein Torwart nicht so gut auf dem Spielfeld, der alles auf gleicher Augenhöhe hat und hauptsächlich den Ball fokussiert. Wie langweilig wäre ein Spiel, wenn keiner auf dem Platz ein Fehler machen würde und so keine Tore fallen? Für keine Mannschaft! Es sollte deutlich mehr Rücksicht der Medien und der Fußballfans gegenüber einzelnen Spieler geübt werden!! Einer meiner liebsten Kommentare zu so einem ausfallend werdenen Fan gegenüber Spielern und Taktiken ist und bleibt der Satz: “Wenn Du es doch um so vieles besser kannst als die Spieler, die sich gerade auf dem Platz befinden und die Leute die ausserhalb des Platzes durch Einwechselungen und Taktikumstellungen das Spiel versuchen zu leiten, dann wundert mich es, dass Du hier bist nur deinen Mund bewegst! Wenn Du so eine Leucht des Fußballsport wärst, dann wären mit Sicherheit einige wichtige Leute in Deiner Jugend aufmerksam geworden und hätten Dich zu einem anderen Job berufen!”

    Ich war selbst Torhüter über viele Jahre und weiss, wie hart es ist, zwischen den zwei Pfosten zu stehen. Du bist der letzte Mann auf dem Platz, der Sonderrechte mit dem Ball hat! Du bist der Mann, der es mit aller Macht verhindern soll, dass der Ball über die eigene Torline rollt, fliegt, oder wie auch immer! Mit einem Spiel kann man zum Helden der ganzen Nation werden, man kann aber auf tief fallen und zum Deppen der Nation werden! Eine ganz beschissene Position auf dem Spielfeld! Keiner hat eine größere Verantwortung! Wenn man als Stürmer mal in einem Tief ist, ein paar Spiele nicht trifft, wenn man Chancen hatte, dann ist das kein Drama, man wird ausgewechselt und ein anderer Mitspieler macht die Dinger in den nächsten Chancen weg. Wenn Du als Torwart Scheisse baust und in einem Tief bist, dann “klingelt” es hinten und man kassiert Tore, die man wohlmöglich vorne nicht mehr schiesst und folgedessen das Spiel verliert! Im Millionengeschäft Fußball kann dies einen auffressen, wenn man den Ball, den man eigentlich hätte haben können, über die Torlinie kullern sieht! Einer ganzen Mannschaft kann man es ansehen, ob sie sich durch ihren Torwart geschützt fühlen und frei aufspielen können, oder ob sie verunsichert sind und defensiv, versteckt spielen. Als Torwart steht man selbst unter dem riesigen Druck, Spiele eindeutig bestimmen zu können und den Sieg, oder das Unentschieden “festzuhalten”! Es gibt keine wichtigere, undankbarere und zugleich spielentscheident gefährlichere Position, als die, mit der Nummer 1 auf dem Rücken! Zudem war er ein absoluter Favoriet auf den Stammplatz des Schlussmanns bei der WM nächstes Jahr in Süd-Afrika! Dies hätte auch der Bundestrainer Löw deutlicher zeigen können. Aber wer rechnet mit so einem Kurzschluss eines Menschen, der es verstanden hat seine Depressionen so zu verpacken und zu verstecken? Garantiert hätte er dann anders gehandelt. Es ist nunmal ein knallhartes Millionengeschäft, wo man immer sein Optimum rausholen muss. Das wird sich nie ändern, aber diese Tragödie soll ja nicht einen Rückwurf bedeuten, sondern den Verantwortlichen dieses Sports fordern, um näher auf die Probleme jedes einzelnen Spielers und deren Sorgen und Bedürfnisse einzugehen! Sein Tod soll nicht umsonst sein, sondern ein Augenöffner! Es wird Zeit für mehr Psychologen und Psychotherapeuten in den Vereinen und Nationalmannschaften, die sich zu 100% auf die Bedürfnisse und den Seelennzustand des einzelnen Spielers konzentrieren! Es wird ausserdem Zeit für mehr Rüchsichtnahme der Medien und deren Berichterstattungen gegenüber eines jeden einzelnen Spielers! Genauso sollten sich auch die Fans in einigen Dingen zurückhalten und nicht gleich mit eineigen Chorgesängen und lautstarken Beleidigungen einzelne Spieler angreiffen!! Es sind keine Superhelden mit übermenschlichen Kräften, sondern Menschen wie Du und ich mit Leib, Seele, Gefühlen und Verstand. Nur kommt dies jetzt für Robert Enke leider zu spät. Hoffentlich aber für andere Spieler zum richtigen Zeitpunkt.

    Es war ja nicht nur ausschließlich der Druck des Fußballs, der auf dieser Person lastete, sonder großteils die privaten Sorgen und Ängste. Der Tod der eigenen Tochter Lara vor wenigen Jahren, das öffentliche rauskommen seiner Kranheit und die zu folgen habenden Rückschläge in seiner Karriere, oder der Entzug der Adoptivtochter wenn es öffentlich wird. Als Prominenter, der jedes Wochende im Focus von Millionen Zuschauern des Nationalsports Fußball steht, sind dies für ihn Fakten gewesen, die seine Situation des Krakheitsbildes mit sicherheit nicht verbessert hätten! Es wäre alles nur noch schlimmer und unerträglicher geworden. Er hatte wahrscheinlich nicht mehr die Kraft, weitere Rückschläge und Hiobsbotschaften hinzunehmen! Irgendwann ist auch der Stärkste am Ende seiner Kräfte angelangt. Ich heisse diese, seine Entscheidung so aus dem Leben zu treten nicht für gut, ich bin überzeugt, dass er selber so nicht gehen wollte, aber diese Krankheit ist heimtückisch und zwingt Menschen zu handeln wie sie selbst nie hätten Handeln wollen! Es war einfach nicht mehr auszuhalten für ihn.

    Ob jetzt die Trauerfeier, so groß und öffentlich wie sie war, in seinem Sinne gewesen ist, kann keiner beurteilen. Klingt vieleicht ein wenig markaber wenn ich dies so sage, aber falls nicht, ist es eh egal, weil er davon in seinem Körper nichts mitbekommen hat. Er hat mit seinem Entschluss Teils egoistisch, wenn auch ungewollt durch die Krankheit, gehandelt, wieso sollte seine Frau und seine Familie nicht auch einmal nur an sich selbst denken? Die Frau von Robert hat schließlich auch alles Hautnah und “ungefiltert” mitbekommen und auch eine Tochter verloren. Sie jetzt alleine Trauern zu lassen und keine Anteilnahme zu zeigen in der Masse, wie sie jetzt statt findet, wäre nicht gerecht! Ihr und der Familie hilft es sicherlich zu sehen, wie vielen Menschen Robert was bedeutet hat und dass sie in dem Schmerz und der Trauer um ihn mit sicherheit nicht alleine da stehen! Sich jetzt noch alleine zu fühlen in deren Situation, wäre wahrscheinlich fatal für seine Frau und die Familie. Sie können immer mit Stolz sagen, dass sie Teil einer ganz besonderen Person waren, die mit seinem Lebensweg und Tod was in bewegung gesetzt hat, was in diesem Sport totgeschwiegen und ignoriert wurde!

    Nichts passiert ohne Grund und alles hat irgendwo auch seinen Sinn, man muss nur diesen Erkennen und anfangen zu handeln um es für diese Menschen erträglicher zu machen mit ihrer Krankheit zu leben, besonders wenn man von einem Betroffenen jeden Tag, besonders am Wochenende in der Bundesliga, sportliche Höchstleitung abverlangt! Es sind ja nicht nur Sportler betroffen, jeder einzelne von uns sollte in sich kehren und sich einmal überlegen, wie wir mit anderen Menschen umgehen und sie behandeln. Egal, ob man eine Depression vermutet bei einem Menschen, oder nicht!

    Sein Tod wäre Sinnlos und Vergebens, wenn wir nicht aus seinem Schicksal lernen und alles schnell vergessen würden! Daher finde ich es völlig vertretbar, ja, sogar ein ((muss)), dass sein Schicksal veröffentlicht wird und so viele wie möglich daran Teil haben können! Das sind wir diesem Menschen, der uns Fußballfans so viele schöne Momente geschenkt und immer alles auf dem Platz für uns Fans gegeben hat, einfach schuldig!! Das ist das Mindeste was wir machen können!

    Ich jedenfalls, werde ihn nicht vergessen, ich werde ihn und sein Schicksal immer in Erinnerung behalten!
    Wenn ich jetzt ein Bild einfügen könnte, dann würde ich zum Abschluss dieses wählen, wo er mit seiner Tochter Lara auf dem Arm vor der Fankurve steht und mit seinem heiteren Lächeln seinen Daumen gen Himmel streckt! So werde ich ihn in Erinnerung behalten! ;o)

    Danke, Riese! Ruhe in Frieden!

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